Aus der Spessartchronik II


HEPPE-GESCHICHTEN

Aus Spessart-Chronik  II

 

Fortsetzung

 

Der Jagd des Landesherren mussten die Bewohner Frondienste leisten und riesige Waldflächen wurden eingeplankt. Die ersten Siedlungen waren Jagd- oder Forsthäuser, doch die Jagd stand nur dem Kurfürsten zu und es war keine Ausnahme gestattet. Auch die sogenannte niedere Jagd, also auf Hase, Rebhuhn und Fasan war nur dem Landesherren reserviert. Auch durften nur adelige Herren an der Jagd teilnehmen.

Nur auf Raubzeug, vor allem auf den Wolf, der nach dem Dreißigjährigen Krieg zur Plage wurde erstreckte sich der Wildbann nicht. Auf sie durften die Dorfbewohner Jagd machen und Wolfsgruben anlegen. Viele Flurnamen geben heute noch Zeugnis davon ab.

Es entstanden die Jagdfrondörfer am westlichen Rande des Spessarts. Es wurden Streifengüter von 10 bis 12 ha angelegt, die sich in 50 bis 100 Meter breiten Streifen von Hang zu Hang zogen. Diese Waldhufendörfer entstanden im 13./14. Jahrhundert in den Niederungen der Elsava, des Dammbachtales und in Leidersbach. Das Kahl- und Aschafftal war schon früher von Bauern besiedelt worden. Der Wildbestand muß im Spessart außerordentlich reich gewesen sein und wenn man sich die Zahlen vor Augen hält, welche die Geschichte über frühere Jagdstrecken überliefert hat. Bei einem jagen des Kürfürsten Emmerich Joseph von Brietenbach-Bürresheim von 1765 wurden 120 Sauen geschossen und bei einer Hirschjagd des Kurfürsten Karl Joseph von Erthal (1774-1802) wurden 140 Stück Rotwild erlegt, darunter 89 Hirsche. Um das Jahr 1750 betrug die Jagdstrecke im kurfürstlichen Spessartwald pro jahr rund 330 Stück Rotwild, 300 Stück Schwarzwild und 200 Stück Rehwild. Wovon die Hofhaltung im Schloss zu Aschaffenburg rund 200 Stück Rotwild, 200 Stück Schwarzwild und 150 Stück Rehwild beanspruchte. Des Wildes wegen wurden große Teile des Waldes in Hege gelegt und die Waldweide der Spessartbauern außerordentlich eingeschränkt.

Im Reichsdeputationshauptschluß von 1803 wurde der Spessart im Main Viereck dem neugebildeten Fürstentum Aschaffenburg unter Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg zugesprochen. 3 Jahre gehörte das Gebiet dem Großherzogentum Frankfurt und gelangte nach Niederwerfung Napoleons im Pariser Vertrag von 1814 erst an Österreich und noch im selben Jahr durch Tausch gegen Salzburg an das Königreich Bayern.

Wenn man den Spessart als das größte zusammenhängende Mischwaldgebiet Europas betrachtet, kann man sich sicher denken, dass das Gebiet von Fürsten und Grafen sehr beliebt war. Hier wurden von den Grafen von Rieneck, die dieses Gebiet zuerst beherrschten, bei ihren Spessartjagden auch Unterkünfte geschaffen, die für ihre Bequemlichkeit unbedingt standesgemäß sein mussten, dass eben entsprechende Räumlichkeiten sowie Übernachtungsmöglichkeiten für den ganzen Hofstaat und den nicht wenigen Gästen erforderte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass fast in jedem Ort im Spessart eine entsprechende Unterkunft, anfangs aus Holz gebaut wurde, die zum Schutze der Jagdgäste eine Art Burg, oder dem gesellschaftlichen Range nach einem Schloß nicht unähnlich sein sollte.

Allein auf bayerischem Gebiet zählte man jetzt 24 Burg oder Schloß ähnliche Anwesen, die etwas zu einem Drittel heute noch zu besichtigen sind.

Die Erbauer einer Burg festzustellen ist nicht einfach. Im Gegensatz zu Kirchen und Klöster, bei denen Stiftungsbriefe vorliegen, waren diese burgähnliche Anwesen mehr oder weniger Privatwohnungen und Sommersitze der Adeligen, von deren Errichtung niemand Rechenschaft abzulegen brauchte. In den meisten Fällen kann man nur anhand von urkundlichen Erwähnungen von Familienname des Besitzers auf die Erbauungszeit schließen. Es ist bekannt, dass man in den früheren Jahrhunderten viel weniger geschrieben hat als heute und dass vom dem wenigen nur ein geringer Bestandteil die Jahrhunderte überdauerte. So ist das Hauptinteresse bei Erforschungen früherer Besitzverhältnisse und Ereignisse auf sehr lückenhaftes Material angewiesen, das zu meist in seiner sehr schwer lesbaren Schrift und auch in einer anderen Sprache abgefasst wurde. Erstaunlicherweise lässt sich aber trotzdem vieles ermitteln, wenn man genug zeit und Geduld aufwendet.

Wer einmal bei schönem Wetter durch den herbstlich gefärbten Spessartwald gefahren ist, dem wird sicherlich das Wort „Romantik“ durch den Kopf gegangen sein. Ein Romantiker war es auch, der das Wort „Waldeinsamkeit“ erfunden und geprägt hat, Ludwig Tieck.

 

Ganz in der Nähe der Heppe befinden sich noch heute Überreste der „Veste Burg Wildenstein“ deren Mauerreste heute noch zu besichtigen sind. . . . .

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